28.02.26

Kleine Nachbetrachtung nach der diesjährigen Biike, die für manche eine Woche lang andauert, nicht nur zwei oder drei Tage um den Tag des Biike-Feuers herum. Oft stellt sich der Blogger die Frage, warum er Jahr für Jahr in dieser an sich ungemütlichen Jahreszeit auf dieses - ja, so kann man das bißchen Land dort wohl auch nennen - nicht selten ungemütliche Atoll reist. Tiefhängende Wolken, Sonne nur selten, Schnee, wie dieses Mal, eine Rarität. Regen wie aus einem Sandstrahlgebläse im Gesicht, unfreiwilliger Test, ob die als wasserdicht angepriesenen Kleidungsstücke samt Schuwerk ihr Versprechen halten (mitunter tun sie´s nicht). Ja, was zieht - der Blogger ist ja dort nicht allein unterwegs - 

die Menschen, die sich das antun, dorthin, immer wieder? Es muß eine ganz besondere Liebe sein. Vielleicht die ungefilterte Begegnung mit der Natur, die den Menschen nicht braucht, sehr gut ohne ihn auskommt, sich keinen Deut um ihn schert, ihn nicht vermißt, wenn er wegbleibt. Ein weiterer Umstand für den hartnäckigen, nicht versiegenden Drang zu diesem häufig unwirtlichen Ort mag auch darin bestehen, daß es ein unausgesprochenes elementares Grundverständnis der sich dort regelmäßig einfindenden Menschen über das Erleben des Meeres, der Stürme, der natürlichen Abläufe schlechthin gibt. Man kennt sich, mal mehr oder weniger, man begegnet sich und man weiß, daß man sich gedanklich, was diese Dinge betrifft, nicht fremd ist, selbt wenn man noch kein einziges Wort miteinander gewechselt hat. Viel mehr muß man dazu wohl nicht sagen. 


Die Schar der Hooge-Süchtigen vergrößert sich zusehends. Rechtsaußen und  linksaußen Wiederholungstäterinnen  (rechts zum 3. Mal, links zum 2. Mal). Ihre zwei Gefährtinnen, die sie zum Mitkommen überredeten, sind bereits mit dem Hooge-Virus infiziert. Nächstes Jahr werden sie erneut zu Viert zum Biikefeuer anreisen. 

Apropos Datenschutz: Die wettermäßigbedingte Verkleidung läßt eine Identifikation nicht zu. ;-)


23.02.26

Abschiednehmen fällt ja an sich oft schon schwer, bei Halligenthusiasten ist das jedoch besonders stark ausgeprägt. Auch diesmal wurde der Schmerz bei Karen im "Blauen Pesel" mit ihren wunderbaren Kreationen an Kuchen, Torten und - persönlicher Favorit des Bloggers - Friesenschnitten wirksam bekämpft. 


21.02.26

Der Tag, um den sich im Grunde alles dreht. Die Macht der Gewohnheit. Nichts ist so richtig einladend am Biike-Feuerplatz, der am äußersten südöstlichen Halligzipfel liegt, gute zwei Kilometer entfernt von der nächsten menschlichen Behausung, der Ockenswarft. Langer Fußweg für die Unverdrossenen, die sich zur Fuß auf den Weg machten, Gewürge und Gedränge auf der schmalen Straße bei den Leuten mit den Autos und denjenigen, die mit Fahrrädern den Ort des Geschehens ansteuern. Es ist kalt, ein ungemütlicher Wind läßt die gefühlte Temperatur noch um einige Grad kälter erscheinen. Und immer ist der Boden, so auch dieses Mal wieder, großflächig um den riesigen Holzhaufen morastig und aufgeweicht. An einigen Stellen stehen durch das einsetzende Tauwetter große Wasserpfützen, die bei Unachtsamkeit und in der aufkommenden Dunkelheit rasch zu nassen Füßen sorgen können. Doch gleichwohl strömen wieder geschätzte hundertfünfzig Menschen, große wie kleine, heran und wohnen dem Spektakel bei. Die Feuerwehrleute betätigen sich wieder mal nicht als Bekämpfer, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als Brandstifter am durch die nassen letzten Tage feuchten Holz. Alle sind zufrieden, das eingespielte Ritual verläuft ohne nennenswerte Besonderheiten, und am Ende bewegt sich die menschliche Prozession samt Beförderungsmitteln wieder dorthin zurück, wo sie herkam. Bis auf die Spezies, die nicht vom Grünkohl lassen kann, der auf der Backenswarft im "Friesenpesel" auf sie wartet. Bilanz des Ganzen mit bemühter Anleihe beim sattsam bekanntenTV-Dauerbrenner "90zigster Geburtstag": "Same procedure as every year ..."


21.02.26

Der besondere, der mystische Tag des Biike-Feuers. Der Schnee ist so gut wie weg. Schade eigentlich. Tauwetter, das bedeutet tiefen Morast am Feuerplatz. 

20.02.26

Die Ruhe vor dem maßgeblichem Ereignis, dem morgigen Biikefeuer, dessentwegen viele Leute das kleine Fleckchen Erde aufsuchen. Manche von ihnen reisen nur aus diesem besonderen Anlaß an, setzen ansonsten nie einen Fuß auf den Boden der Hallig.

 

Spätestens morgen wird der Blogger wissen, ob ihn sein Eindruck täuscht und tatsächlich erkennbar weniger Menschen als sonst um diese Jahreszeit den Weg auf die Hallig fanden. Viele bekannte Gesichter - nicht von allen sind ihm die Namen spontan oder überhaupt geläufig - hat er indes bereits entdeckt. Man kennt sich, man grüßt sich, umarmt sich nicht selten. Die Hallig verbindet, irgendwie schwingt eine Art von Zusammengehörigkeitsgefühl mit, selbst wenn man sich ansonsten fremd ist. 


Das zum Schutz des Sommerdeiches ausgelegte Gestein ist von Rauhreif überzogen. Es ist sehr kalt draußen, dem Fotografen fährt ein stürmischer Wind ins Gesicht und verstärkt noch spürbar das Kältegefühl.

 Auf dem kleinen Hügel in der Bildmitte, wo sich inzwischen der Mast einer Wetterstation in den Himmel reckt, spielte sich vor vielen, vielen Jahren eine wahre Tragödie ab. Die See holte sich in einer Nacht die dort gelegene Pohnswarft, riß alles Leben, die Menschen wie ihre Tiere, bei einer der vielen Sturmfluten in den Tod und zerstörte das Anwesen vollständig, kein Stein blieb auf dem anderen. Seitdem liegt diese Stätte auf der Hallig brach und immer dann, wenn der Blogger dort vorbeikommt, muß er an jenes schreckliche Geschehen denken. 

 

Wer die Hallig etwas besser kennt, weiß auch von Pfaden und Wegen, die weniger begangen werden. Wenn nun noch Schnee liegt, ist Achtsamkeit geboten, wo und wie man die Schritte setzt. 

Weil´s so schön und - jedensfalls bisher - eher selten ist. Hooge im Winterkleid.

19.02.26

Man muß nicht verrückt sein, doch es hilft erheblich: 

Joggen in aller Herrrgotsfrühe, Eiseskälte, Dunkelheit, Stirnlampe, üppiger Gegenwind auf der langen Passage. Niemand wird dazu gezwungen. ;-)

 

Und heute Nachmittag geht´s in den Blauen Pesel zu Karen Tiemann. Niemand backt auch nur annähernd die Friesenschnitte so gut wie sie. 

 

18.02.26

Azurblauer Himmel von Horizont zu Horizont. Kommt im Februar nicht alle Tage vor. Halliggäste, zumindest die Biikefeuer-Gäste, sind schon ein besonderes Völkchen. Momentan läuft in Italien die Winterolympiade. Auf Hooge scheint sie nicht stattzufinden. Hier gehen die Uhren anders. So schlecht ist das ja gar nicht. Die Deutschen gewinnen und verlieren auch ohne uns. 

 

Beim Kaufmann erstand der Blogger neben anderen Sachen auch eine Flasche Rotwein. Vielleicht gelingt es ihm, durch das relativ harmlose Grtränk die eine oder andere "Köm"-Runde zu umgehen. ;-) Schau`n mer mal.

 

Entweder ist das Einbildung oder es sind tatsächlich spürbar weniger Gäste auf der Hallig. Mit Adleraugen oder der richtigen Brille auf der Nase kann man ja bis auf die mitunter den Blick versperrenden Warften eigentlich das komplette Stückchen Land überblicken. Zumeist ist man derzeit mutterseelenallein unterwegs. Was ja auch seine Reize hat. 


Was ist denn da, da gibt´s doch nichts, muß der Blogger sich anderenorts häufig anhören. Genau deshalb fährt er dorthin, in das Nichts, in die Stille, wenn die Natur den Atem anhält, was selbst dort in der Nähe des Meeres mitunter vorkommt. Wer dort nicht zu sich selbst findet, dem gelingt das nirgendwo.

Blick aus dem Pensionszimmer. Niedrigwasser, so gut wie nichts von ihm zu sehen. Wo gibt´s schon einen solchen Ausblick. Sieht malerisch aus, friedlich, still. Doch das kann sich ändern. Dann steht das Wasser bis zum Zaun, der dem Haus am nächsten liegt, klettert auch schon mal die halbe Warft hoch, auf der das Haus steht, bei extremer Flut auch noch ein Stück höher. Doch die Hallig-Leute haben gute Nerven, die Gäste nicht immer. Ist gewöhnungsbedürftig. 

17.02.26

Heute aktuell die Fähren-Website befragt: Es bleibt beim planmäßigen Ablegen. Draußen ziemlich ungemütlich, deshalb unter Deck geblieben. Auffallend wenige Passagiere an Bord, auch für ein paar Autos wäre wohl noch Platz gewesen. Der Blogger kann sich nicht erinnern, in all den Jahren um diese Jahreszeit soviel Schnee erlebt zu haben. Wo bleibt eigentlich die Erderwärmung. 

Ein kleines Glücksgefühl, wieder die Füße auf Halligboden, auf Hoogeboden zu setzen. 

15.02.26

Anreisetag. So jedenfalls war´s geplant. Winterliche Straßenverhältnisse, früh losgefahren, immerhin so bummelige 140 Kilometer bis zum Fährhafen. Drei Stunden vorher auf dem Parkplatz angekommen. Mieses Wetter, im Auto gemütlich gemacht samt kleinem Nickerchen.  wozu hat man sich die Standheizung gegönnt. Dreiviertelstunde vor der planmäßigen Abfahrtszeit des Schiffes die Treppen zum Deich hochgeklettert samt Gepäck. Kein Schiff zu sehen. 

Hin zum Anleger. Der Gepäckwagen mit "Hooge"-Schild stand dort, doch leer, von Gepäck keine Spur. "Das Schiff ist weg", die lakonische Antwort der Frau, die sich am Gepäckwagen zu schaffen machte, "`ne Stunde früher gefahren. Wegen Niedrigwasser. Dienstag geht das nächste Schiff."  Fühlte sich an wie ein Boxhieb in den Magen. Es war Sonntag, also sprach sie von übermorgen. Der Blogger fährt seit 20 Jahren auf die Hallig. Alles soll einem ja immer mal zum ersten Mal passieren. Dabei hatte er noch am Vortag auf der Fähren-Website nachgeschaut, ob´s bei der ausgedruckten Abfahrtszeit bliebe. Keine Änderung angezeigt. Doch er hatte wohl zu früh nachgeschaut. 

Es gab wohl nur eine Person, die diesem Umstand etwas Positives abgewinnen konnte: Die Frau des Bloggers, die selbigen bei seiner Rückkehr freudig in die Arme schloß. 

 


11.02.26

Die Gummistiefel kommen wieder mit. Die Wahrscheinlichkeit für ein Landunter ist zwar gering, aber in den letzten Jahren - wohl Klimawandel  bedingt - immer wahrscheinlicher geworden. Wenn das Wasser denn kommt, läuft es nicht immer rasch ab, erst recht nicht, wenn der Wind aus Nordwest, der die Landunter beschert, auch bei Niedrigwasser noch kräftig weiterbläst. Gummistiefel können da sehr hilfreich sein, und man kann früher als die normal beschuhten Leute zum Kaufmann laufen. Mit dem Auto ist das noch eine ganz andere Nummer. Denn die rückständigen Pfützen und und Überschwemmungen auf den Straßen sind reine Salzlaugen. Soll den Wiederverkaufswert des Autos nicht gerate in die Höhe treiben. 

09.02.26

Ist auf die Erderwärmung kein Verlaß? Seit ein paar Wochen schon leiden die Schleswig-Holsteiner unter winterlichen Verhältnissen. Man fröstelt, schimpft, schippt vor der Haustür den Schnee weg. Und der Fährverkehr zu den Inseln und Halligen mußte auch schon mal eingeschränkt werden. Kein Niedrigwasser, kein Hochwasser, nein, diesmal war´s Eisgang. Die Nordsee (die Ostsee ebenfalls , wo der Blogger seine Heimstatt

hat) trug in Küstennähe eine Eisdecke. Nicht wie an den Polen, aber immerhin so dick, daß die Schiffe im Hafen blieben. Nur noch wenige Tage bis zur Biike-Woche. Wird schon werden. Ein einziges Mal in den vielen Jahren wurde es mal eng mit der Hinfahrt. Exakt am ersten Tag, als sich die Fähre wieder in die offene See traute, reiste der Blogger an, auch darauf vorbereitet, noch ein Bett im Schlüttsieler Hafen beziehen zu müssen. Doch dann ging´s , die Fähre fuhr, mit unübersehbaren Farbabschürfungen am Bug und an den Seiten. Die eine oder andere Fahrwassertonne fehlte, die standhaften unter ihnen hatten üble Blessuren abbekommen. 


Nachklapp aus dem Festlandssommer: 

Dem Blogger, der in Kiel was mit Literatur zu tun hat, gelang es, Getrude von Holdt - Vertraute dürfen Tutje zu ihr sagen - zu einer Lesung auf ein altes, ehrwürdiges Gut in Kiel-Schilksee einzuladen, damit sie dort aus ihren Bestseller-Büchern "Die Halligpastorin" und "Auf hoher See" vorliest. Ergebnis: Volle Hütte, mehr als hundert Leute wollten sie hören und sehen, der umgebaute ehemalige Pferdestall faßte leider nicht alle, doch durch die geöffneten Türen konnten von draußen - Lautsprecher taten hierbei gute Dienste und Petrus half mit Sonnenschein aus - diejenigen mithören, die keinen Platz mehr gefunden hatten. Danach schrieb sich die Autorin die Finger wund mit Widmungen in den zum Verkauf ausliegenden Büchern. 



15.11.25

Fällt dem Blogger spontan ein: Auf der Rückfahrt-Fähre in diesem Jahr im überfüllten Schiff bei zwei Frauen am Tisch gesessen, die zum ersten Mal auf der Hallig waren. Hallig steckt an, es hat ihnen sehr gut gefallen. So gut, daß sie bei der Biike 2026 wieder dabei sind. Inzwischen gibt´s schon Chat-Kontakt. Sie haben bereits gebucht. 

25.10.25

Noch knapp dreieinhalb Monate. Die alljährlichen Entzugserscheinungen wachsen kontinuierlich an. Was zieht einen eigentlich dorthin? Und das im Februar? Wo der Regen nicht selten waagerecht wie aus einem Sandstrahlgebläse ins Gesicht fährt. Der Sturm die Fußläufigen auf ihren Wegen wie Alkoholisierte hin- und herschwanken läßt und sich manche Leichtgewichte ein paar Kilo mehr an Leibesfülle wünschen. Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht. Jeder hat da wohl seine eigene Philosophie, seine ureigensten Gründe und Gedanken, die meist für sich behalten werden. Warum auch nicht?